Tschaikowski Bar

Folkloreabend Donnerstag, 28.April 2016

Fluss- und Schleusentag

Frühsport

Heute haben wir den ganzen Tag frei und fahren. Wetter ist sehr bedeckt. Um 7.45 Uhr ging ich an Deck. Dort machten die Praktikanten Dima und Eugen mit uns etwa 8 Gästen etwas Gymnastik mit Laufeinlagen. Beide hatten Deutsch studiert und waren an Bord als Animateure und Übersetzer tätig.

Tischgenossen

Nach diesem Frühsport gingen wir zum Frühstück.  Wir blieben  lange am Tisch sitzen und unterhielten uns mit unseren Tischnachbarn über die horrenden Preise im Bolschoi Theater für die Balletaufführung „Schwanensee“ am Ende der Reise in Moskau.Eine Karte kostete 225 €. Unser Tischnachbar war ein großer schlanker Herr mit weißem umrahmenden Bart und langer Nase. Erst schweigsam, Hans,der neben ihm saß, brachte ihn mit Gesprächen über Flugerlebnisse doch noch zum Reden. Er hatte einen technischen Beruf als Schiffskonstrukteur. Er lebte seit der Wende mit seiner Frau im Westen. Diese war zunächst auch sehr zurückhaltend, aber von Tag zu Tag fanden wir immer mehr gemeinsame Gesprächsthemen. Auf jeden Fall waren wir vier zufrieden, dass wir nicht am Nachbartisch saßen, wo ein Wortführer pausenlos die Tischgenossen lautstark mit seinen auf die Nerven gehenden Reden beschallte. Mir gegenüber saß der dicke Junggeselle, dessen Freund kurzfristig nicht mitkommen konnte. Er beteiligte sich fast nie an unseren Gesprächen. Er schien geistig recht einfach gestrickt zu sein. Beim Essen vermied ich es, ihn zu beobachten. Offenbar waren ihm gewisse Tischmanieren, die  für uns selbstverständlich sind, nicht bekannt. Er klagte aber über Magenbeschwerden und nahm irgendwelche Mittelchen dagegen. Trotzdem schaufelte er sich am Frühstücksbuffet große Mengen auf seinen Teller. Mittags und abends spülte er die warmen Mahlzeiten mit Bier herunter. Danach sah man ihn in fröhlicher Runde vor allem abends mit Gleichgesinnten vor seinem Bier sitzen und agierte sogar als Wortführer. Wir waren offenbar die falsche Gesellschaft für ihn. Er war  viel gereist, stammte aus der ehemaligen DDR und lebte  jetzt in West-Berlin.

Kleiner Unfall

 Gleich beim ersten Ausflug stürzte er auf der steilen Schiffstreppe und schlug mit dem Gesicht auf die scharfen Metallkanten auf. Alle saßen schon im Bus und warteten, bis er von der Bordäztin verarztet war.  Das Pflaster auf der Oberlippe verlieh  ihm einen zusätzlichen komischen Look.Er hätte sicher besser daran getan, mittags vor einem Ausflug kein Bier zu trinken.

Beschäftigungen am Nachmittag

Nachmittags buchten wir 3 Ausflüge, pro Nase 140 €. im Restaurant gab es Kaffee und Kuchen, d.h. Piroggen mit verschiedenen süßen Füllungen. Danach ruhten wir uns in der Kabine aus. Hans fühlte sich nicht gut, ich las ihm aus dem Buch über Ostpreußen vor, das ich auf mein Tablet geladen hatte. Dabei schlief er ein. Ich zog mir Turnschuhe an und marschierte eine halbe Stunde auf dem Schiff herum. Auch wenige andere Passagiere verschafften sich Bewegung, aber oft so langsam, dass ich mitunter an Engpässen Mühe hatte, sie zu überholen. Hans ging es zum Glück besser. Er hatte sich ein ruhiges Plätzchen backbord gesucht und zeichnete die vorbeiziehende Landschaft.  Der Dicke vom  Tisch saß draußen und Schrieb SMS. Er stoppte mich bei einer Runde. Es war etwas mehr als eine Minute. Hans ging zur Ärztin, die hohen Blutdruck bei ihm feststellte.  Nach sofortiger Einnahme seiner Abendtablette ging es ihm besser.

Folkloreabend

In der Tschaikowskibar  fand ein Folklore-Abend statt, den moderierte eine der Animateurinnen. Die dicke Sängerin hatte sich auffallend zurecht gemacht. Sie trug ein offenherziges blaues Folklorestrickkleid mit gewaltigen weiß blau geblümten Puffärmeln aus Blusenstoff und roten hohen Schuhen.Folkloreabend Russland Sie sang ihre Lieder mit viel Temperament und Körpereinsatz. Den Höhepunkt des Abends bildete die Einbeziehung der Zuhörer, an die die Sängerin  Spielzeuginstrumente  wie Rasseln, Tröten, Quäken usw. verteilte. Das Lied handelte von allen möglichen Heiratskandidaten, die alle nichts taugten. Der erste soff, der zweite ging nur angeln, der Dritte war stets nur in der Kneipe, der Vierte ging fremd, der Fünfte war faul, der Sechste war dumm, der Siebte endlich passte ihr, der wollte aber von ihr nichts wissen.Während des Gesangs gab sie Zeichen, wann die Instrumente einzusetzen waren. Hans hatte ein Instrument mit Blaseschlauch, der immer herausschoss und quietschte,  wenn er blies. Es herrschte eine fröhliche ausgelassene Stimmung, viele klatschten unentwegt mit.  Die Moderatorin kündigte als letztes Lied ein angeblich völlig unbekanntes an. Das war natürlich Kalinka, wie ich sofort vermutete. Es sangen etliche dabei mit. Natürlich gab es auch eine Zugabe.

Abendliche Begegnungen

Beschwingt verließen wir  die Bar und setzten uns noch eine Weile auf die Sitzbank vor vor dem Fernseher im Decksaufgang. Dort lief die DVD von den Sehenswürdigkeiten dieser Reise. Für 10 € konnte man sie kaufen. Ich trug mich ein. Schließlich stellte sich noch unser dicker Tischpartner mit Bekanntem dazu, eine weniger angenehme Gesellschaft. Zum Glück verließen sie uns bald. Zum Schluss gesellte sich noch Hans‘  Tischnachbar zu uns. Sie stellten fest, dass sie beide aus Pommern stammten und fühlten sich dadurch verbunden.

 

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