Stalingrad Getreidemühle

Wolgograd, Stalingrad – 29.04.2016

Vormittags Freizeit an Bord

Herrlicher Sonnenschein. Auf Anraten der Ärztin nahm Hans früh seine Tabletten. Es ging ihm etwas besser, aber noch nicht gut. Sie stellte 160 Blutdruck fest. Ich ging wieder 15 Minuten zur Gymnastik mit Dima. Unter anderem machten wir auch einige Kniebeugen. Dima erzählte dazu aus seiner Militärzeit eine story. Er und seine Kameraden standen nebeneinander und mussten 1000 Kniebeugen machen. Wenn einer schlapp machte, wurde er von den Nachbarn eingehakt und mit hoch und runter gezogen.  Nach dem Frühstück suchten wir uns gleich zwei Plätze auf dem Sonnendeck. Hans zeichnete und ich schrieb. Er ging ein paar Runden ums Schiff, ich ebenfalls.

Stalingrad – historischer Rückblick

Hitlers Angriff

Die Schlacht um Stalingrad fand im zweiten Weltkrieg vom 07.07.1942 bis zum 02.02.1943 statt. Die erbitterten Kämpfe währten genau 200 Tage und Nächte. General Paulus hatte den Auftrag, Stalingrad mit der 6. Armee einzunehmen. Das sollte als Vorstoß in den Kaukasus wegen der dortigen Ölfelder dienen. Außerdem sollte der Wasserweg auf der Wolga den Russen für den Nachschub abgeschnitten werden. Die Sieges gewohnten Deutschen erlebten die bittere Wende. Zunächst waren die Angreifer auch erfolgreich. Bei einem Luftangriff der Deutschen mit 600 Maschinen, wobei ca 1 000 000 Bomben abgeworfen wurden, kamen Tausende der Zivilbevölkerung von Stalingrad ums Leben. Viel zu spät genehmigte Stalin die Evakuierung der Stadtbevölkerung. Die Stadt war völlig zerstört. Die Deutschen eroberten Stalingrad.

Russische Offensive

Im November kesselte die Rote Armee unter Befehl von Marschall Schukow  mit ca 1 Million Rotarmisten, 200 Geschützen, 1100 Flugzeugen und 900 Panzern 300 000 deutsche Soldaten und ihre Verbündeten ein. Deren Lage war aussichtslos. Die meisten waren entkräftet und litten unter Hunger und Kälte. Nur 30 Flugzeuge mit Lebensmitteln, Verbandszeug und Waffen kamen etwa pro Tag durch. Die Versorgung war völlig zusammengebrochen. Nachschub an Truppen war nicht zu erwarten, zumal Truppen im Kaukasusgebiet versuchten die Ölfelder unter ihre Kontrolle zu bekommen.  Trotzdem gab Hitler Befehl, auszuharren und trotz vieler Verluste weiter zu kämpfen. Er verbot auch einen möglichen Durchbruch.Bei den erbitterten Kämpfen im Kessel gab es auch unter den Russen eine Vielzahl von Opfern.  Hitler behauptete, die Russen seien am Ende ihrer Kraft. Das war eine totale Fehleinschätzung. Die Russen hatten eine gewaltige Übermacht an Soldaten, Panzern und Geschützen.  Anfang Februar 1943 kaputulierten die Deutschen entgegen dem Befehl Hitlers. Es gerieten 110 000 der überlebenden deutschen Soldaten und ihrer Verbündeten in russische Gefangenschaft. Davon kehrten nur 6000 nach Jahren in den Arbeitslagern nach Hause zurück. Diese Schlacht wurde als Wende im Krieg angesehen. Im gesamten Gebiet von Stalingrad nicht nur im Kessel starben 929.000 Russen und ca 8000000 Deutsch.

Eindrücke von Wolgograd, dem früheren Stalingrad

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Ruine Getreidemühle Stalingrad
Ruine der Getreidemühle

egen Mittag legten wir in Wolgograd, dem früheren Stalingrad an. Wir waren durch den Wolga-Don-Kanal in die Wolga gefahren. Wir hatten einen guten Stadtführer, einen ausgebildeten Dolmetscher, der uns viele Einzelheiten zu den Denkmälern und Statuen erzählte.

Kriegsdenkmal auf dem Mamajewhügel

Treppe Wolgograd
Treppe mit Scenen der Schlacht

Zuerst standen wir vor der Ruine der Getreidemühle, die man als Mahnmal hatte stehen lassen. Daneben das Museum mit dem riesigen Panoramabild der Schlacht.Dann machten wir uns an den Treppenaufstieg zur Ruhmeshalle auf dem Mamajewhügel.

Rote Fahnen an den Seiten begleiteten uns. Immer wieder machten wir auf einem Treppenabsatz halt, um unserem Führer zu lauschen. Am letzten Abschnitt des Aufgangs waren gewaltige Szenen der Schlacht um Stalingrad zu beiden Seiten der Treppe in Granit gehauen. Auf der Mitte waren Soldatenlieder und russische Frontberichte zu hören.

Statue Mütterchen Russland
Aufstieg zur Statue Mutter Heimat

 

Platz der Trauer

Schließlich gelangten wir vor der Ruhmeshalle zum Platz der Trauer. Überdimensionale Skulpturen an der Seite des großen rechteckigen Wasserbeckens wie etwa ein Soldat, der einen Verwundeten trägt, oder eine Krankenschwester, oder eine Mutter, die sich über ihren toten Sohn beugt.

Die Ruhmeshalle

Die Ruhmeshalle ist ein riesiger runder Saal. Im Zentrum befindet sich die ewige Flamme von zwei Soldaten bewacht.

Ruhmeshalle Stalingrad
Ruhmeshalle

Am 9. Mai findet hier ein Gedenken an den Großen Vaterländischen Krieg statt. So wird der 2. Weltkrieg von den Russen genannt. Gewaltige Aufmärsche von Soldaten und noch lebenden Veteranen des Krieges mit Orden geschmückt werden zu sehen sein.

Erinnerungen an den Krieg

Mutter HeimatMit dem fast blinden Passagier, der von seiner Frau begleitet wird und uns schon aufgefallen war, kam ich ins Gespräch. Er war mit 15 von der Schule als Flakhelfer geholt worden. Über die Elbe kam er mit einem selbstgebauten Floß. Er geriet in amerikanische Gefangenschaft. Da er so untergewichtig war, ließ man ihn frei.

Letzter Anstieg

Schließlich gelangten wir, vorbei an der neugebauten Kapelle mit goldenen Kuppeln  auf dem Gipfel bei der Statue „Rodina mat`“ (Mutter Heimat) an.

Kirche Mamajew Hügel
Kirche auf dem Mamajew Hügel

Wir waren froh, als wir den anstrengenden Aufstieg geschafft hatten. Wir hätten noch weiter aufsteigen können auf dem Sockel der riesigen Statue „Mutter Heimat“. Mit Schwert misst sie 85 m. Dieser damals besonders umkämpfte Mamajew Hügel ist 102m hoch. Also hatten wir auch von dieser Höhe einen Überblick über das gesamte Panorama der Anlage. Wir freuten uns über die vollbrachte Leistung. Der Eindruck dieser gewaltigen Gedenkstätte wird noch lange nachwirken. Für mich war es der Anlass, mich weiterhin über   diese Schlacht und den 2. Weltkrieg in Büchern, Filmen und am liebsten in Gesprächen mit Zeitzeugen zu informieren . Bemerkenswert ist, dass diese Gedenkstätte als Stätte der Trauer sowohl für Russen als auch für Deutsche gedacht ist. Als Musik in der Ruhmeshalle hat man ausgewählt: Träumereien von Schumann.

 

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