Interview Kaliningrad

Kaliningrad 3. Tag, Sonntag, 06.09.15

Christ Erlöser Kathedrale

Am Vormittag führte uns der Weg die breite Treppe mit vielen Stufen hinauf zur weißen Kathedrale mit den vergoldeten Kuppeln. Sie ist mit 73 m Höhe das höchste Gebäude der Stadt und wurde nach zehnjähriger Bauzeit 2006 zur Jubiläumsfeier im Beiseins Putins und des Patriarchen Alexej II. eingeweiht. Außer dem Hauptturm über dem Altar gibt es vier weitere Zwiebeltürme. Der weiße Innenraum ist modern gestaltet. Die Kathedrale bietet Platz für 3000 Gläubige. Natürlich nur, weil in orthodoxen Kirchen die Gläubigen stehen, nur Kranke oder sehr Gebrechliche dürfen auf den wenigen Bänken Platz nehmen. An den Wänden sieht man einige große Heiligenbilder, Buntglasfenster lassen gedämpftes Licht herein. In der Unterkirche, die aber nicht zugänglich war, soll sich eine alte Ikonostase aus Memel befinden, die für eine Garnison im siebenjährigen Krieg gestaltet wurde.

Kirche nebenan

 Wieder draußen sahen wir uns die kleine Kirche an, die nicht weit von der Kathedrale auf dem Gelände steht. Dort finden die meisten Gottesdienste statt. Nur an besonderen Feiertagen wird in der Kathedrale die Messe abgehalten, erzählte uns eine Russin sogar auf Deutsch.

Symbolischer Kauf

  In den Kirchen Shop mussten wir natürlich auch hineingehen. Dort werden außer Heiligenbildern auch Schmuck angeboten. Meinem Freund fielen goldene Ringe auf mit blauen Emaille Verzierungen und einer Inschrift in Kirchenslawisch. Wir erfuhren, dass das bedeutet: Gott beschütze Dich. Wir kauften für uns welche. Die Verkäuferin musste sie uns feierlich anstecken und wir besiegelten unsere Beziehung mit einem Kuss.

Ein Interview

Wir bummelten über den Platz des Sieges. Erstaunt nahmen wir junge Leute mit Plakaten wahr, auf denen sie für ihre Partei warben. Wie wir von ihnen hörten, standen die Gouverneurswahlen bevor. Als wir später mit anderen Leuten darüber sprachen, meinten die  Es wählen sowieso die meisten Menschen Putins Partei „Einig Russland“. Deshalb bleiben die kleinen Parteien unbehelligt. Putin sei eben gut für Russland.

Interview KaliningradBeim Weitergehen stießen wir auf ein Fernsehteam. Hans sprach die beiden Reporter an :“ Wollen sie uns interviewen?“ Und schon wurde er gefilmt, als er ihnen etwas über uns und unsere Eindrücke hier erzählte. Auch ich wandte mich an die beiden und sagte ,ich könnte zwar kein Russisch aber Englisch. Begeistert filmten sie auch mich, als ich unter anderem berichtete, dass meine Mutter hier geboren wurde. Hans reagierte im Gegensatz zu mir und nahm mich bei dem Interview auf.

Sonntag – Einkaufstag

Bei uns gibt es endlose Diskussionen um verkaufsoffene Sonntage. In Russland sind an diesem Tag selbstverständlich die Geschäfte geöffnet. So ist alle Welt dann auf den Beinen. Auch uns zog es an diesem Sonntag ins nächste Einkaufszentrum. Einkaufzentrum KaliningradVorbei an etlichen Mode- und Pelzgeschäften und großflächigen Kosmetiksalons gelangten wir zu einem Kaufhaus. Mein Begleiter fragte sich nach der Buchabteilung durch. Im Vorübergehen inspizierten wir die Preise von Geräten in der Elektro Abteilung. Hier war alles teurer als bei uns. Bei den Büchern hielten wir uns lange auf und durchstöberten Bildbände genauso wie bunte Bilderbücher für den kindlichen Nachwuchs zu Hause. Wir blieben schließlich bei den wunderschön kitschigen Geburtstagskarten hängen, die mit roten Rosen und viel Glitzer geschmückt waren. Natürlich fehlten auch lange Gedichte mit guten Wünschen nicht. Zu Hause werden wir mit diesen Karten bei den Beschenkten Freude, zumindest Aufmerksamkeit hervorrufen. So kauften wir uns für wenig Geld einige. An der Kasse brauchten wir etwas Geduld. Die Kassiererin tippte jeden Artikel einzeln in den Computer. Einen Scanner, wie wir das im Westen gewohnt sind, gab es nicht. Obwohl nur wenige vor uns standen, warteten wir mindestens 20 min. Beim weiteren Bummel durch das Center konnten wir nicht umhin, uns die wunderschönen teuren Pelze im Geschäft ohne Kunden anzusehen. Die nette sicher gelangweilte Verkäuferin ließ sich bereitwillig auf ein Gespräch ein. Dass bei uns das Tragen von Pelzen schon lange verpönt ist, rief bei ihr nur Unverständnis hervor. Sie meinte aber auch, dass der Winter in Russland sicher strenger sei als bei uns, womit sie sicherlich recht hat. Tierschützer haben dort aber wohl kaum so eine Lobby wie im Westen.

Sättigendes Getränk

 Jetzt hatten wir eine kleine Pause nötig. Im Erdgeschoss – oder wie die Russen sagen im ersten Stock – kam uns eine Art Bar wie gerufen. Wir orderten Gebäck und heiße Schokolade. Die jungen Mädchen hatten außer unserer Bestellung nichts zu tun; deshalb wunderten wir uns, dass es so lange dauerte, bis wir unser Getränk bekamen. Noch mehr wunderten wir uns aber über die Mokka Tässchen voll heißer Schokolade. Offenbar wird bei dieser Bestellung einfach eine Tafel Schokolade geschmolzen. Unsere Zubereitung mit Pulver und Milch oder Wasser kennt man hier kaum, wie wir auch später feststellen mussten. So löffelten wir also unser Kalorien reiches Getränk aus und hatten keinen Appetit mehr auf ein Mittagessen. Wir ruhten uns zu Hause ausgiebig aus.

Weitere Entdeckung

  Beim Abendspaziergang erfreuten wir uns wieder an den erleuchteten Brunnen mit den bunten sprudelnden Fontänen auf dem Platz des Sieges. Wir entdeckten den Bahnhof und auf dem Gelände ein Geschäft, in dem wir eine Flasche Wein erstanden. Alkohol gibt es nur in bestimmten Geschäften.

 

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